Treffpunkt Würstelstand

Die Wiener Würstelstände sind nicht nur der österreichische Vorreiter des Fast-Foods, sie sind auch fester Bestandteil der Großstadtkultur. Hier treffen alle gesellschaftlichen Schichten bei Burenheidl, 16er-Blech und „an Bugl“ aufeinander. ATV Die Reportage zeigt was Würstelbudenbetreiber und deren Gäste bewegt, aufregt und ob beim Geschäft mit der heißen Wurst auch so heiß gegessen wie gekocht wird.

Heiß wird es so manchem Kunden beim „Scharfen Rene“. Am Schwarzenbergplatz in Wien leitet er Wiens angeblich schärfste Würstelbude. Neben seiner Bekanntheit für seine scharfen Saucen wurde der Stand vom Falstaff Magazin zum besten Wiens gekürt. Rene, der Besitzer und seines Zeichens Würstelgourmet, ist mit Leib und Seele bei der Sache. Voller Stolz berichtet er wer aller zu ihm kommt wenn’s um die Wurst geht. Eins ist immer gleich – egal ob Bauarbeiter oder Opernbesucher, alle Gäste werden gleich herzlich bewirtet. Einer seiner Stammgäste ist Schauspieler Gerald Pichowetz, bekannt aus der Serie Kaisermühlenblues. Als leidenschaftlicher Wurstliebhaber plaudert er aus dem Nähkästchen.

Auch beim Würstelwagon in Simmering direkt neben dem Friedhof ist eine illustre Runde versammelt um dem Genuss zu frönen. Zu einer Wurst gehört natürlich auch das eine oder andere Bier. Die Chefin Gabi hat den Würstelstand vor ein paar Jahren übernommen. Als einzige Frau in der Runde sorgt sie für die Unterhaltung. Und sie weiß sich zu behaupten wenn jeder Gast meint der Bundespräsident und Alleswisser zu sein – wenn es ihr zu bunt wird reagiert sie mit entsprechend lauter Stimme. Herr Peter sorgt hinter der Schank einstweilen dafür, dass niemand verdurstet.

In Wien Favoriten beginnt um 22 Uhr der Dienst von Dursum, einem Würstelbrater aus Überzeugung. Der Standplatz für einen Würstelstand beginnt bei rund 200.000 Euro abhängig von der Lage. Die Flächen sind klein und die Lagerung der Würstel ist eine logistische Herausforderung. Dursum schreibt gerade sein erstes Kabarettprogramm, inspiriert von den Geschehnissen hier am Quellenplatz. Bis er damit sein Geld verdienen kann unterhält, er seine Gäste gratis. Auch eine Möglichkeit gegen die Konkurrenz der Kebapbuden zu bestehen.

Seit kurzem ist Wien mit seinen rund 150 Würstelständen um einen reicher: Die Kaiserzeit. Teilhaber Rudi Roubinek, auch bekannt als Herr Seifenstein, legt vor allem hohen Wert auf Qualität und spezielle Sorten wie die Mangaliza Bratwurst aus Burgenland. Auch artgerechte Tierhaltung steht für die Besitzer im Vordergrund. Ganz andere Prioritäten waren im Jahr 1928 ausschlaggebend für die Eröffnung des ersten Würstelstands in Wien: er war damals eine Möglichkeit Kriegsinvaliden ein Einkommen zu sichern. Für die Wiener war dies ein gefundenes Fressen. Nicht nur kulinarisch sondern auch für kreative Ausdrucksformen.