Lokalpolitiker - viel Arbeit, wenig Ehr'

Sie sind das direkte Bindeglied zwischen Volk und hoher Politik: Österreichs Lokalpolitiker. Ob Parteihelfer, Bezirksvorsteher oder Bürgermeister einer kleinen Gemeinde, sie alle wollen für ihre nächsten Mitmenschen da sein und helfen. Dabei können die wenigsten von ihren politischen Ämtern leben.
Jürgen Marx ist SPÖ-Bürgermeister der Gemeinde Mörbisch im Burgenland. Und nicht irgendein Bürgermeister: er war einst der jüngste Bürgermeister Österreichs und wurde mit nur 25 Jahren in sein Amt gewählt. Böse Zungen behaupten: „… nur, weil kein anderer den Bürgermeister machen wollte…“. Jürgen macht seine Aufgabe gut zumal die Organisation einer Gemeinde mit rund 100.000 Nächtigungen im Jahr (Seefestspiele, Weinland, etc.) gar keine einfache ist. Jürgen Marx ist in seinem Brotberuf, wie er ihn nennt, Qualitätskontrolleur Beim Österreichischen Bundesheer und überprüft Ausrüstung und Schuhwerk. Heute ist er allerdings in Sachen SPÖ-Ball unterwegs und sammelt Tombolaspenden bei seinen Einwohnern für die Veranstaltung ein.

Bezirksvorsteher Stellvertreter des 11. Wiener Gemeindebezirks ist der Wiener Paul Stadler. Er ist gebürtiger Simmeringer und kennt seinen Bezirk wie seine Westentasche. Nicht nur das: Sein Bezirk kennt auch ihn, da Stadler bis zum Beginn seiner politischen Laufbahn ein florierendes „Kulturcafé“ betrieb. „Das Netzwerk, das damals entstand, ist enorm wichtig, für meinen Erfolg als Politiker“, sagt er in einem Interview. Heute ist auf den Straßen seine s Bezirks unterwegs um sich die Probleme seiner Bevölkerung anzuhören.
Im niederösterreichischen Türnitz steht Bürgermeister Christian Leeb kurz vor seiner Angelobung zur dritten Amtsperiode. Dass man als Lokalpolitiker die Anlaufstelle für alle möglichen Probleme seiner Gemeindebewohner ist, weiß er daher aus langjähriger Erfahrung. Doch obwohl er mit dieser Aufgabe schon alle Hände voll zu tun hat, geht auch er als Vertreter einer Versicherung einem Brotberuf nach. So muss er sogar noch am Tag seiner Angelobung einen Sturmschaden am Dach Lagerhalle des lokalen Autohauses begutachten. Eine Stunde später trifft er sich dann zum mittlerweile gewohnten Stelldichein in der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld. Die Angelobung ist nicht nur ein feierlicher Akt, sondern wird gleich zum freundschaftlichen Austausch mit den Bürgermeistern der anderen Gemeinden genutzt. Hier wird deutlich, dass als Lokalpolitiker die Parteizugehörigkeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Denn alle hier versammelten Bürgermeister wissen, dass sie durch den engen Kontakt zu ihren Wählern nur an ihren Fähigkeiten und ihren Fehlern gemessen und aufgrund dessen auch gewählt werden - und nicht wegen der Farbe ihres Parteibuchs.


Katharina ist bei den Grünen in Ottakring beschäftigt und hat eine besondere Ansicht von Politik, die aber durchaus ihrer täglichen politischen Arbeit entspricht: Politik muss angreifbar sein. Dies zeigen die Grünen in ihrer Bezirksarbeit mit einem Neuen Programm: Anstatt auf Beschwerden der Bevölkerung zu warten, gehen Parteimitarbeiter der Grünen von Tür zu Tür und holen sich die Meinung der Mitmenschen gleich direkt ab.