Grenzverkehr

Etwa 5.000 Österreicher - vorwiegend Männer - fahren jährlich ins Ausland, um dort Sex zu konsumieren. Die Freier müssen keine langen Flugstrecken mehr in Kauf nehmen. Eineinhalb Stunden benötigen sie von Wien ins tschechische Znojmo bzw. Znaim. Während des Urlaubs im Waldviertel ist man noch schneller dort. Denn das beliebteste Reiseziel der Sextouristen ist unser Nachbarland Tschechien. Dort ist „schneller Sex“ um die Hälfte billiger als in Österreich. Zunehmend öfter treffen aber die Freier auf österreichische Prostituierte.
Mittlerweile kommen fünf bis zehn Prozent der Prostituierten im Grenzbereich aus Österreich, sagt ein Experte. Seit der Grenzöffnung im Dezember 2007 können Österreicherinnen anonym und unkontrolliert nach Tschechien pendeln. Bisher kannte man eher den umgekehrten Weg. Vor allem aus Ungarn, Rumänien, Polen und Bulgarien wurden und werden Frauen nach Österreich gebracht, und oft auch in die Prostitution gezwungen.
Die Armut treibt Österreicherinnen nach Tschechien, um dort als Prostituierte zu arbeiten, sagt Rainer König-Hollerwöger. Der Sexualforscher beschäftigt sich seit Jahren mit der Prostitution an der tschechisch-österreichischen Grenze. Zusammen mit tschechischen Experten betreibt er ein Forschungs-Büro in Znaim. Vermehrt trifft er bei seiner Arbeit auf Hausfrauen, misshandelte oder arbeitslose Frauen aus Österreich, die an den Grenzstrich pendeln. Aber auch "oft alleinerziehende Frauen, die Kinder haben und die in Österreich zu wenig Geld haben, um zu überleben," sagt König-Hollerwöger.
ATV Die Reportage begleitet Herrn König-Hollerwöger bei seiner Arbeit. Zudem beleuchtet sie die Szene und gibt Einblick in die rechtlichen Aspekte des Sextourismus der Österreicher.